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Heiligenschein

Kennt Ihr diese Diskussionen, beispielsweise im Freundeskreis, wenn Ihr mal den "Spielverderber" gebt und anmerkt, dass es doch nun wirklich übertrieben sei, von München nach Hamburg zu fliegen und zwischen den beiden Städten auch eine gut ausgebaute Bahnstrecke existiert? Wie oft kam man im Laufe des Gesprächs darauf zu sprechen, dass ja auch Du kein*e Heilige*r bist: Neulich in den Urlaub geflogen, Du fährst vielleicht ein Auto und sind alle Deine Klamotten Fairtrade??

 

Ich gebe es zu: Auch ich bin keine Heilige! Ich bemühe mich nach Kräften so ökologisch- und sozialverträglich wie nur möglich einzukaufen und mein Leben zu gestalten. Und gleichzeitig muss es auch in einen ganz "normalen" (was auch immer das heißt) Alltag integrierbar sein. Nein, ich richte nicht mein ganzes Leben nach diesem oder jenem Kriterium aus. Und meine Flugangst setzt meinem Drang nach der Weltentdeckung natürliche Grenzen. Selbstverständlich habe ich mal meinen ökologischen Fußabdruck im Internet berechnet und war einigermaßen stolz, dass ich damit weit unter dem deutschen Durchschnitt bin. Trotzdem: Wenn jede*r so leben würde wie ich, bräuchten wir 1,5 Erden. Haben wir aber nicht!

 

Für viele ist das heuchlerisch oder eine Doppelmoral, wenn man Wasser predigt und selber den Wein trinkt. So sieht es in ihren Augen aus. Ich finde, es muss mir trotzdem erlaubt sein, zu sagen, dass ich mir eine andere Welt wünsche und mich dafür auch stark mache. Zum Beispiel, dass es ein Standard wird, dass Kleidung überall auf der Welt unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Oder dass ein Flug deutlich teurer werden muss. Das Problem ist ja gerade, dass diese Standards fehlen und ich nicht in jedes beliebige Kaufhaus hineinspazieren kann und zu irgendeinem Teil greifen kann, denn ich muss davon ausgehen, dass es nicht unter fairen Produktionsbedingungen hergestellt wurde. Genau aber das will ich erreichen! Ich möchte, dass solche Kaufentscheidungen zwischen fair und unfair gar keiner persönlichen Anstrengung oder Überlegung mehr bedürfen, sondern dass es eben der Standard wird, der in jedem Alltag ganz selbstverständlich vorhanden ist.

 

Wie geht es Euch damit?


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