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Mitglieder gewinnen leicht gemacht

Ein Aspekt um mit politischer Lobbyarbeit als Verein oder Verband erfolgreich zu sein, ist die Repräsentation von möglichst vielen Menschen. Mithilfe einer großen Anzahl an Unterstützer*innen wird Relevanz erzeugt. Und genau deshalb ist die Anzahl der Mitglieder aus politikwissenschaftlicher Sicht auch eine Machtressource. Das bedeutet konkret: Vereine, Verbände oder (Bürger-) Initiativen benötigen Mitglieder. Das tut auch der Vereinskasse gut und/oder ermöglicht überhaupt erst die Aufnahme von (politischen) Aktivitäten. Jeder Handgriff benötigt schließlich men- und women-power. An dieser Stelle erfahrt Ihr, wie Ihr Mitglieder für Euren Verein gewinnt und welche Frage Ihr Euch gleich zu Beginn stellen solltet.

Wen wollt Ihr als Mitglied gewinnen?

Mein erster Tipp mag auf den ersten Blick banal klingen, ist aber sehr wesentlich: Wen wollt Ihr überhaupt ansprechen und als Mitglied gewinnen? Seid Ihr eher auf der Suche nach zahlenden Mitgliedern oder nach aktiven Mitgliedern, die sich einbringen und mit gestalten? Sie übernehmen einerseits Aufgaben, erhöhen aber auch die Abstimmungskosten und bringen eigene Meinungen ein, die zu Kontroversen und Uneinigkeit führen können.

 

Welche Fähigkeiten, welche Netzwerke oder welches Wissen sollen Deine neuen Mitglieder mitbringen? Versucht Euch das so konkret wie möglich vor Augen zu führen. Das hilft Euch nämlich auch an geeigneter Stelle genau nach diesen Mitgliedern zu suchen und sie zu werben. Welche Informationen müssen diesen Überlegungen folgend auf der Webseite veröffentlicht werden? Wie hoch oder niedrig sollte der Mitgliedsbeitrag (und damit die Beitrittshürde) sein? Welchen Nutzen bietet Eurer Zielgruppe eine Mitgliedschaft?

Feste Ansprechperson

Es sollte eine feste Zuständigkeit für die Mitgliedergewinnung und -betreuung existieren. Die Kontaktdaten dieser Person sollten schnell auf der Homepage des Vereins zu finden sein. Erstmal ist eine Organisation etwas anonym und "gesichtslos". Mit einer Ansprechperson bekommt sie genau das: ein Gesicht. Ihr erleichtert Euch intern enorm die Abstimmung, wenn alle Anfragen gleich die richtige Person erreichen. Außerdem ist so ein besseres Management möglich: Eine Person hat den Überblick, wer da so alles zu Euch stößt. Welche Fähigkeiten sie mitbringen, welche Wünsche, Ideen oder Kritik bei den Neuen vorhanden sind.

Patenschaften

Das lässt sich ideal mit einem Patenschaftensystem ergänzen: Neuen Mitgliedern ein erfahrenes Mitglied zur Seite zu stellen, das zu Beginn mit Rat und Tat zur Seite steht. So verteilt Ihr die Arbeit auf mehrere Köpfe und vernetzt zügig die Mitglieder untereinander. Für die Neuen verringern sich außerdem die Hürden mal bei einem Treffen vorbei zu schauen, weil sie bereits jemanden kennen und sich willkommen und betreut fühlen.

Präsenz

Um attraktiv für neue Mitglieder zu sein, solltet Ihr präsent sein auf Eurem Gebiet: Das kann die Branche oder der Stadtteil sein. Wenn Ihr regelmäßig mit Aktivitäten in den Medien auftaucht, Euch in gesellschaftliche Debatten einmischt, Homepage und Social-Media-Seiten gepflegt sind, macht Ihr schlichtweg auf Euch aufmerksam. Und Ihr seid lebendig. Ihr zeigt, dass sich "bei Euch was rührt", dass etwas los is und da bereits eine bunte Truppe am Start ist, die was bewegen will. Das ist deutlich anziehender, als wenn Ihr wie ein verstaubter Haufen wirkt. Mit allem was Ihr unternehmt - auch Eure Lobbyarbeit - erreicht Ihr potenziell auch immer neue Mitglieder und damit Unterstützer*innen Eurer Sache. Das ist ganz im Sinne von multi-purpose statt multi-tasking.

Werbung

Macht auch ganz explizit Werbung für eine Mitgliedschaft: Unterstreicht die Vorteile (Netzwerk, Informationen, Stimmberechtigung, Sichtbarkeit, ...), die das zu bieten hat. Verbindet das immer wieder mit Aktionen ("unser 777. Mitglied trifft unsere Vorsitzende zum Lunch", "unser 800. Mitglied erhält einen Monat die Bio-Kiste frei Haus",...). Menschen werden u.a. aktiv, wenn sie die Ressourcen und das Selbstbewusstsein dazu besitzen. Oder weil sie jemand fragt. Also fragt und fordert dazu auf, bringt die Leute auf die Idee bei Euch mitzumischen. Wenn Ihr Euch gut nach Außen darstellen könnt, entsteht schnell der Eindruck, dass bei Euch ja alles tutti ist und Ihr gar keine Unterstützung mehr benötigt. Sagt immer wieder ganz klar, dass Ihr Euch über neue Mitglieder freut und streut diese Information bei jeder Gelegenheit.

Angebote

Macht ganz konkrete und zeitlich überschaubare Angebote zur ehrenamtlichen Mitarbeit. Ihr benötigt für ein Event eine*n Fotograf*in oder jemanden, der Instagram-Stories macht? Ihr müsst einen neuen Arbeitsvertrag aufsetzen? Ihr gestaltet ein Mitgliedermagazin oder Newsletter und freut Euch in der Redaktion über professionelle Unterstützung? Für das Sommerfest darf gerne noch ein Kuchen mitgebracht werden? Bestimmt befinden sich unter Euren Mitgliedern Menschen mit entsprechender Expertise und Lust am Mitmachen. Wenn Ihr einen überschaubaren und greifbaren Einstieg ermöglicht, ist beiden Seiten geholfen. Wer das meines Erachtens übrigens wirklich hervorragend in seinem Newsletter macht, ist Transition München. Abonniert den Newsletter und lasst Euch inspirieren.

Das direkte Umfeld

Der eigene Freundes- und Bekanntenkreis wird als Faktor in der Mitgliedergewinnung meist sehr unterschätzt. Vollkommen zu unrecht. Streut dort ganz bewusst auch die Informationen: Dort kennt und vertraut man Euch. Die Aufmerksamkeitsspanne muss nicht mit 280 Zeichen bedient werden. Und oft hat man im eigenen Umfeld ziemlich viele Leute, die sehr ähnlich ticken wie man selbst. Also auch für ähnliche Werte einstehen.


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