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Noch mehr Lobbyerfolg mit Monitoring!

Monitoring - was ist das eigentlich?

Monitoring beschreibt ganz allgemein die systematische Erfassung eines Vorgangs oder eines Prozesses, im Sinne eines Protokollierens. Das kennen wir aus verschiedenen Bereichen: In der Medizin bspw. das Langzeit-EKG, bei Naturgefahren das Erfassen geologischer Veränderungen, die auf einen Vulkanausbruch, Erdbeben oder Tsunami hinweisen können. Mit dem Nutzen, dass somit ein Frühwarnsystem installiert ist. Auffälligkeiten am Herzen? Mit Maßnahmen (Medikamente oder eine Operation) kann noch rechtzeitig gegen gesteuert werden. Ein Tsunami droht? Die Stadt kann ggf. noch rechtzeitig evakuiert werden.

Monitoring im politischen Kontext

Ähnliches gilt auch für die Politik: Wir beobachten und analysieren das politische Geschehen im Zeitverlauf. Mit der Absicht, dass wir so rechtzeitig erkennen, wenn "Gefahr" droht. Bspw. in Form eines Gesetzes, das uns nicht passt. Dann lässt sich noch rechtzeitig die Bevölkerung mobilisieren und das Gesetz lässt sich vielleicht noch verhindern. Oder anders herum: Wir wollen unbedingt ein Thema in der Öffentlichkeit platzieren, aber die Zeit war einfach nie reif. Mithilfe eines Monitorings erkennen wir, wenn sich der Wind gedreht hat und können dann zum richtigen Zeitpunkt aktiv werden und die Speerspitze einer Bewegung bilden. D.h. also, durch ein Monitoring erhalten wir relevante Informationen zum frühestmöglichen Zeitpunkt und können uns dementsprechend vorbereiten (Aktionen planen, Gespräche vereinbaren, etc.).

Informationsquellen

Diese Informationen erhalten wir u.a. aus der medialen Berichterstattung. Betreiben wir professionelle Lobbyarbeit genügt es allerdings nicht, einfach nur die Tageszeitung zu lesen und die Tagesthemen einzuschalten. Wir müssen auch gezielt danach recherchieren. Es führt meist kein Weg daran vorbei, auch mal einen Blick in die Protokolle von Ausschüssen und Plenarreden von Bundestag oder Landtag zu werfen. Oder Arbeitspapiere von Fachgruppen der Fraktionen oder Parteitagsbeschlüsse durchzulesen. Diese Informationen sind zumeist öffentlich zugänglich, allerdings kommen sie einem nicht zugeflogen. Man muss mit den richtigen keywords das Web durchstöbern, Newsletter abonnieren, und natürlich auch die entsprechenden Termine auf dem Schirm haben.

 

Einige Informationen findet man auch dort nicht. Nämlich dazu, was sich so „hinter den Kulissen“ abspielt. Da helfen nur ein gutes Netzwerk und persönliche Gespräche, in dem man mal das ein oder andere informell zugetragen bekommt.

Die richtige Aufbereitung

Wichtig ist, diese gesammelten Informationen auch schriftlich in einem Report festzuhalten: Mitarbeiter*innen sind auch mal in Elternzeit oder verlassen die Organisation. Gut vernetzte Mitglieder ziehen weg oder stellen das ehrenamtliche Engagement ein. Dabei kann der Organisation wertvolles Wissen vorübergehend nicht zugänglich sein oder dauerhaft verloren gehen.

 

Außerdem sollte nicht nur eine sachliche Zusammenfassung in dem Report enthalten sein, sondern auch eine Einschätzung dessen, was das für die Organisation bedeutet. Und wie der weitere zeitliche und formelle Ablauf aussieht. Bspw. kann es ein Paper eines Arbeitskreises einer Partei geben, über das in 3 Wochen beim nächsten Parteitag abgestimmt werden soll. Will man auf diese Abstimmung Einfluss nehmen, muss ich also wissen, dass ich nur noch 3 Wochen Zeit habe, um mit den Delegierten zu sprechen und meine Sicht der Dinge darzulegen.

 

So sollte dann auch eine Handlungsempfehlung im Report auftauchen. In unserem Beispiel: Nächste Woche Kontakt mit Mitglied X und Y aufnehmen und persönliches Gespräch noch vor dem Parteitag am 01.01.2020 vereinbaren. Überlegt, wer alles diesen Report empfangen sollte. Das können teilweise sensible Informationen sein, die nicht in offenen E-Mail-Listen landen müssen. Außerdem muss sichergestellt sein, dass derjenige, der der Handlungsempfehlung folgen sollte, diese Information auch erhält.

Praktische Tipps zur Durchführung

So ein Monitoring macht wirklich viel Arbeit. Ist aber auch unglaublich hilfreich, damit man nicht wahllos  vor sich hin macht und in eine nicht definierte Richtung unterwegs ist. Ohne diese systematische Erfassung ist es schier unmöglich, die eigene Strategie zu verfolgen, sprich Erfolge in der Lobbyarbeit zu verzeichnen.

 

Gerade für viele kleine Organisationen, die wenig Personal haben oder „nur“ auf kommunaler Ebene aktiv sind, ist es absolut realitätsfern wöchentlich seitenlange Reports zu erstellen. Aber auch für solche Organisationen lohnt sich ein Monitoring.

Dafür ist es notwendig:

  • einen festen Rhythmus festzulegen. Das kann auch einmal im Quartal sein.
  • Eine feste Zuständigkeit zu benennen. Protokolle lesen ist nicht jedermanns Lieblingsaufgabe und kann dann schnell mal „vergessen“ werden. Eine solche Zuständigkeit lässt sich auch extern organisieren.
  • Das Ziel des Monitorings festzulegen. Niemand macht „einfach so“ ein Langzeit-EKG oder beobachtet geologische Aktivitäten. Welches Ziel verfolgst Du mit dem Monitoring? Das kann sehr unterschiedlich sein. Vielleicht willst Du erstmal eine*n Ansprechpartner*in für das Thema ausmachen. Oder Du möchtest, dass sich Deine politische Forderung in den Wahlprogrammen von möglichst vielen Parteien wiederfindet. Oder Du benötigst Informationen darüber, wann mit einem Gesetzentwurf zu Deinem Thema zu rechnen ist. Das Ziel sollte also möglichst konkret sein. Vor allem dann, wenn Du gut mit Deinen Ressourcen (Zeit, Personal, finanzielle Mittel) haushalten musst. (Und wer hat schon zu viel davon?) Denn sonst droht das Monitoring ausufernd zu werden. Dann werden einfach nur Informationen gesammelt, die in dieser Breite gar keinen Mehrwert bieten. Das führt nicht nur zu Frust, sondern ist auch teuer und schadet im schlimmsten Fall sogar Deinem Anliegen. Falls die Zieldefinition Dir noch schwer fallen sollte, unterstütze ich Dich gerne dabei, sie zu entwickeln.
  • Prioritäten zu klären. Selten verfolgen wir nur ein Anliegen. In welche Themen am meisten Zeit und Detailliebe gesteckt werden, muss also unbedingt klar definiert werden.

Anfangen und Erfahrungen sammeln

Das klingt erstmal nach einer sehr komplexen Sache, ist es auch. Stürze Dich dennoch ruhig erstmal neugierig rein, entdecke diese neue Welt und mach Deine Erfahrungen. Außer verpasster Gelegenheiten hast Du nichts zu verlieren. Außerdem lohnt es sich, Erfahrungen zu sammeln, damit auch einen gewissen Instinkt zu entwickeln und sich Zeit für den Aufbau eines politischen Netzwerks zu geben.


Falls Du das Ganze nochmal ausführlich vermittelt bekommen möchtest: Gerne schule ich Dich und Dein Team dazu in einem exklusiven Workshop. Und bevor Ihr Euch streitet, wer von Euch die Protokolle lesen "darf", übernehme ich das für Euch :-) Schreib mir oder ruf mich an +49 176.624 14 859!

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