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Lobbying als (Re-)Aktion

Lobbyarbeit ist nicht gleich Lobbyarbeit. Lobbying unterscheidet sich in drei verschiedene Arten:

Was es damit jeweils auf sich hat, stelle ich Euch in diesem zweiteiligen Blogbeitrag vor.

Spannungsfeld zwischen Aktion und Reaktion

Als Interessenvertreter*innen müssen wir häufig auf bestimmte Debatten und Themen, die auf der politischen Agenda gelandet sind, reagieren. Wir müssen eine Haltung und eine Position dazu einnehmen. So etwas ist für uns in der Regel eine wenig komfortable Situation. Wir haben nicht mehr das Heft des Handelns in der Hand und drohen immer einen Tick zu spät dran zu sein. Damit wir von solchen Situationen nicht überrascht und "kalt erwischt" werden, müssen wir präventiv Monitoring betreiben. Selbstverständlich gilt dies alles nur für die relevanten Debatten, die unser Unternehmen oder unsere Organisation betreffen.

Selbst zum Agenda-Setter werden

Besser ist es, in die aktive Rolle zu schlüpfen und selbst Themen auf die politische Agenda zu setzen. Das ist der Fall, wenn das Thema noch nicht einmal latent in den Köpfen der politischen Entscheidungsträger*innen vorhanden ist. Da wir allerdings nicht in die Köpfe anderer Menschen hinein schauen können, sind die Übergänge zum präventiven Lobbying manchmal auch fließend.

So oder so sind nun ganz grundsätzlich zwei Punkte für unsere Arbeit wichtig: Aufmerksamkeit erzeugen und Handlungsdruck aufbauen.

Aufmerksamkeit

Wer den ersten Teil des Blogbeitrags gelesen hat, erinnert sich noch: Beim präventiven Lobbying wollen wir möglichst leise und ohne Öffentlichkeit agieren, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Ganz anders nun in diesem Fall. Wir wollen und müssen sogar nun sehr auf unser Thema - oder unsere Sichtweise - aufmerksam machen. Manchmal benötigen wir hierfür auch die Öffentlichkeit. Etwas eleganter ist es allerdings, wenn wir in direkten Kontakt mit den politischen Entscheidungsträger*innen treten und sie für ein Thema sensibilisieren. Hierfür eignet sich wieder das persönliche Einzelgespräch. So begegnen wir uns deutlich weniger konfrontativ und können uns sehr viel mehr als kooperative Gesprächspartner etablieren. Ein wichtiger Beitrag für die politische Lobbyarbeit auf Augenhöhe.

Handlungsdruck

Aufmerksamkeit allein reicht nicht. Wir müssen den relevanten Entscheidungsträger*innen auch klar machen, dass (akuter) Handlungsbedarf besteht. Können wir nicht im persönlichen Einzelgespräch mit unseren Argumenten überzeugen, kann es nun notwendig werden, Medien und Öffentlichkeit gezielter einzubinden und auf das Thema anzusetzen. So wird mittelbar ein deutlicher Handlungsdruck auf die Akteure in der Politik erzeugt.

Sorgfältige Planung

Damit dies gelingt, müssen die politischen Lobbymaßnahmen sehr sorgfältig und mit einem gewissen zeitlichen Vorlauf geplant werden. Denn ohne Strategie geht natürlich nichts! So kann eine eindeutige politische Positionierung und eine Botschaft entwickelt werden, von der sich eine Argumentationslinie ableiten lässt. Dazu zählt beispielsweise auch, wie wir den politischen Akteuren unser Thema schmackhaft machen können. Wie lässt sich beispielsweise ein Kontext herstellen, in dem auch für ihn oder sie das Besetzen des Themas zu einem öffentlichkeitswirksamen Pluspunkt wird.

Ich wünsche Euch viel Erfolg bei Euren Projekten - egal ob agierend oder reagierend!


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